1972 - Heute
Der in der Jahreshauptversammlung 1971 gefasste Beschluss, einen Antrag zur Umbenennung des Vereins in Polizeisportverein zu stellen, fand Gehör. Die Beständigkeit und Hartnäckigkeit der Grün-Weiß-Verantwortlichen ist belohnt worden. In den Unterlagen des Landessportbundes steht nun:
Polizeisportverein Grün-Weiß Wiesbaden e.V.
Nicht nur der Vereinsname ist neu. Nein, es gibt auch einen neuen Vorsitzenden. Am 18. Januar 1972 wurde der unvergessene Polizeipräsident Dr. Karl Ender an die Vereinsspitze gewählt. Damit beginnt eine 22jährige Ära, ein großer, durch viele positive Akzente geprägter und gekennzeichneter Zeitabschnitt.
Das 50jährige Vereinsjubiläum steht an. Schon im Frühjahr 1975 beginnen die Vorbereitungen. Im Grün-Weiß-Mitteilungsblatt macht sich Klaus Diehl seine „Gedanken“ über die Vergangenheit und die Zukunft des Traditionsvereins. Zu der Absicht einiger Vereinsmitglieder, eine Festschrift zu erstellen, meint Klaus Diehl in seiner Betrachtung, die es wert ist, weitgehend wiederzugeben:
„Die Verfasser einer derartigen Rückschau sollten bedenken, daß es lediglich ein Augenblick ist, in dem man vermeint, die Zeit stehe still. Die Jahre rückwärts besehen, werden wie Kilometersteine an einer langen Straße erscheinen. Manche etwas verblaßt wie in der Dämmerung oder als sei über sie Gras gewachsen; andere wiederum werden hell und klar vor dem Auge der Erinnerung sich auftun. Die ersteren werden wohl die ,grauen’ Jahre sein, die Jahre der Mißerfolge und der Sorgen, die heute klein und winzig erscheinen. Die letzteren sind dann sicher die Jahre der Erfolge und der Siege. Die Frage drängt sich auf, ob man den Weg noch einmal gehen würde? Noch während man darüber nachdenkt, wird man bemerken, wie die Zeit verrinnt und die Gegenwart zur Vergangenheit wird. Sicherlich sind es beschauliche Minuten, in denen man solchen Gedanken nachhängt. Sie sind auch lebenswert. Lebenswert deshalb, weil man aus dem Quell der Erfahrung Kraft schöpft für den ,Marsch ins Morgen’. ... Ein Verein, der diese auch politisch oft stürmischen Zeiten nicht nur überdauern, sondern sich darin ständig weiterentwickeln konnte, muß auf festen Grundlagen stehen. ,Es ist der Geist, der den Körper formt’. Dieses Wort gilt auch für den Geist, der das Wesen und Wirken dieses Vereins geprägt hat, aus dem er geworden, in dem er gewachsen und in dem er heute sicherlich noch wirkt. ... Wenn dieser Geist aus der 50jährigen Geschichte unseres Vereins noch heute lebendig ist, was ich im Grunde nicht bezweifle, wenn er Vereinsführung und alle Sportfreunde beseelt, dann brauchen wir um die Zukunft nicht zu bangen“. Wie wahr!
„Grün-Weißes Geburtstagskind – Polizei-Sport-Verein feiert sein 50jähriges Bestehen“ berichtet der Wiesbadener Kurier. „... einer der renommierten Vereine der Landeshauptstadt, feierte“ am 25. Oktober 1975 „seinen 50jährigen Geburtstag und lud anläßlich dieses Jubiläums seine Mitglieder zu einem Festball in den großen Saal des Kurhauses ein“. Dr. Karl Ender zeichnete die Vereinsgeschichte nach und zeichnete die Gründungsmitglieder Walter Steinheimer, Georg Müller und Anton Gaykowski mit der goldenen Vereinsplakette aus. Anschließend wurde bis in die tiefe Nacht hinein zu den Klängen der „Tel-Stars“ getanzt und kräftig gefeiert.
Die folgenden Jahren waren von Kontinuität, Tatkraft und mehr oder weniger großen sportlichen Erfolgen geprägt.
Das Jahr 1983 ist angebrochen; die fällige Jahreshauptversammlung steht an. Eine besondere Veranstaltung, denn es gilt, ein großes Ereignis in der Vereinsgeschichte zu vermelden. Der 1. Vorsitzende, Dr. Karl Ender, nunmehr seit elf Jahren im Amt, schreibt mit Datum vom 2. Februar 1983 an alle Mitglieder, dass er anlässlich der Hauptversammlung die Gelegenheit nutzen wolle, „Ihnen von einer, wie ich meine und hoffe, zukunftweisenden Entwicklung in unserem Vereinsleben zu berichten. Der Verein kann sich, erstmals seit seiner Gründung im Jahre 1925 glücklich schätzen, seinen Mitgliedern ein kleines, aber gemütliches Vereinsheim als Treffpunkt anzubieten“. Er stellt weiterhin fest, dass es, wenn auch unter Überwindung einiger Widerstände, gelungen sei, das ehemalige Platzwartwohnhaus auf dem Sportplatz Kleinfeldchen für die Dauer von zehn Jahren zu pachten. „Das Gebäude war in einem desolaten Zustand. Ein Umbau, den die Mitglieder der Fußballabteilung in über 1800 Arbeitsstunden uneigennützig vorgenommen haben, war unbedingt erforderlich“. Dafür sprach er allen seinen Dank aus.
Der PSV Grün-Weiß hat viel zu tun. Das Vereinsheim wird weiter ausgebaut, der Sportbetrieb für mittlerweile 1.000 Mitglieder ist zu organisieren und zu bewältigen und nicht zuletzt stehen die Vorbereitungen für die Festlichkeiten zum 60. Bestehen des Vereins an. Der Polizeisportverein ist Anfang 1985 mit sich und seinem Vereinsleben sehr zufrieden.
Da brach das Ungemach herein. Am Sonntag, 14. April 1985 ging gegen 02.15 Uhr bei der Feuerwehr die Meldung ein, dass im Vereinsheim des PSV ein Brand ausgebrochen sei. Wenig später traf die in der Nachbarschaft beheimatete Berufsfeuerwehr ein. Der Dachstuhl brannte in seiner gesamten Ausdehnung. Drei Stunden musste gelöscht werden. Rolf Wilkopp, der noch in der Nacht zur Brandstelle eilte, meinte: „Jetzt sind wir wieder ohne Heimat“. Da die Brandursache nicht eindeutig geklärt werden konnte, wurde vorsorglich Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, denn kurz nach dem Brand gingen beim Kurier, Tagblatt und bei der Deutschen Presse Agentur Bekennerschreiben folgenden Inhalts ein: „Entgegen der Berichte in der Lokalpresse war der Brand im Vereinsheim des PSV Wiesbaden gelegt. Wir sind in der Nacht vom Sa. auf So. durch die Dachluke eingest. Das explosive Gasgemisch entstand durch Auskippen von 10 l Benzin und 5 l Diesel. Wir haben den Polizeisportverein direkt angegriffen, weil er für uns Polizeistaat genauso verkörpert wie Hochdruckwasserwerfer & die Einführung neuer Personalausweise. Wir sehen deshalb auch diesen Anschlag als Teil des militanten Widerstandes gegen die STB 18 W und andere Schweinereien“. Das Schreiben endet mit der Parole: „Terror dem Staatsterror“ und trägt die Unterschrift: „Autonome Anarchisten“, sowie einem fünfzackigen schwarzumrandeten Stern. Die Ermittlungen blieben erfolglos. Am 18. Februar 1986 stellte das Oberlandesgericht Frankfurt das Verfahren ein.
Nach dem überwundenen Schock gilt es, den Wiederaufbau des Vereinsheims zu organisieren. Doch zunächst steht trotz aller Unbill ein Fest an. Das 60jährige Bestehen des PSV Grün-Weiß soll gebührend gefeiert werden. Die Handballer, Fußballer, Badminton-Spieler, Schwimmer und die Schützen laden zu Turnieren ein. Im Kaufhaus Karstadt findet ein Simultan-Turnier der Schachabteilung mit dem Schachgroßmeister Eric Lobron statt. Der Erlös dieser Veranstaltung soll an das SOS-Kinderdorf in Rio de Janeiro gehen.
Der Höhepunkt des Jubiläums wird der große Jubiläumsball am Samstag, dem 22. Juni 1985 in der Scala in der Dotzheimer Str. sein. So kam es auch. Klaus Diehl, 2. Vorsitzender des PSV, konnte in Vertretung des Vorsitzenden Dr. Karl Ender 300 Gäste begrüßen. Die Zeitungen berichteten von eleganten Garderoben und einer schmucken Bühne. Bevor gemütlich und ausgiebig gefeiert werden konnte, wurden Heinz Burgdorf für seine mehr als 1000 sportlichen Einsätze im Handball und Kegeln mit der goldenen Vereinsnadel, Wolfgang Trawitzki für seine ehrenamtliche Tätigkeit mit der Ehrennadel in Bronze des Hessischen Fußballverbandes und Wolfgang Rottke für seine langjährigen Verdienste mit dem Ehrenbrief des Hessischen Fußballverbandes ausgezeichnet.
Der Wiederaufbau des Vereinsheims geht dank unbürokratischer Hilfe der Landeshauptstadt Wiesbaden voran. Die Kosten betrugen 180.000,- DM, die durch Leistungen der Versicherung, finanziellen Aufwand des Vereins und unzählige Arbeitsstunden der Mitglieder erbracht werden konnten. Großer Dank gebührt den Fußballern, ohne die das neue Haus nicht hätte entstehen können. Schon im Herbst konnte Richtfest und im Frühjahr 1986 die Einweihung gefeiert werden.
Mit der Jahreshauptversammlung am 22. März 1990 wurde ein Generationswechsel eingeleitet. Klaus Diehl, der langjährige 2. Vorsitzende des PSV, stellte sein Amt aus persönlichen Gründen zur Verfügung. Er steht allerdings auch in der Zukunft als Beisitzer zur Verfügung. Dr. Karl Ender betonte in seiner Laudatio, Klaus Diehl habe insbesondere wegen der jahrelangen Organisation der Polizei-Sport- und Musikschau die besondere Anerkennung des PSV verdient. Der neue 2. Vorsitzende ist Manfred Tecl.
Und wieder sind vier Jahre ins Land gegangen. Der PSV Grün-Weiß war nicht nur damit beschäftigt, Sport zu betreiben, die Abteilungen zu unterstützen, sondern auch die Außenwirkung des Vereins zu verstärken. Dies alles ist gelungen.
So sah es auch der unvergessene 1. Vorsitzende Dr. Karl Ender. Er teilte seinem Vorstand mit, dass er in der kommenden Jahreshauptversammlung 1994 nicht mehr zur Wiederwahl steht.
In die Gaststätte „Alt Wiesbaden“ am Kurt-Schumacher-Ring wurde zur Jahreshauptversammlung am 17. März 1994 eingeladen. Nach der Begrüßung und vielen Dankesworten durch Dr. Karl Ender wurde festgestellt, daß der Verein nunmehr 1284 Mitglieder zähle. Damit gehört der PSV zu den zehn größten Sportvereinen Wiesbaden.
Nach 22 Jahren als 1. Vorsitzender des PSV Grün-Weiß gibt Dr. Karl Ender das Amt in jüngere Hände. Manfred Tecl wird einstimmig zum Nachfolger gewählt. Im zur Seite stehen Michael Königstein und Rolf Wilkopp als 2. Vorsitzende. Dr. Karl Ender bleibt dem Verein mit Sitz und Stimme als Ehrenpräsident erhalten.
Die Trauer beim PSV Grün-Weiß Wiesbaden ist groß. Am 18. Mai 1995 verstirbt Ehrenpräsident Dr. Karl Ender. In seinem Nachruf betonte der 1. Vorsitzende Manfred Tecl: „Der Verstorbene hat sich über zwei Jahrzehnte hinaus mit hohem Engagement und großem Geschick als Vorsitzender um den Verein verdient gemacht. Sein unermüdliches Wirken zum Wohle des Vereins sowie die ihm eigene menschliche und kameradschaftliche Wesensart sind für uns Verpflichtung, den Verein in seinem Sinne weiterzuführen. Wir werden ihm stets ein ehrendes Angedenken gewahren.“
Am Samstag, dem 26. August 1995 ehrt der PSV Grün-Weiß anlässlich der Feier zum 70jährigen Bestehen seinen verstorbenen Ehrenpräsidenten Dr. Karl Ender auf besondere Weise. Das Vereinsheim am Kleinfeldchen erhält den Namen „Dr. Karl-Ender-Haus“. Bei der Enthüllung der Gedenktafel in Anwesenheit der Witwe des Verstorbenen, Frau Susanne Ender, hob der 1. Vorsitzende Manfred Tecl noch einmal die großen Verdienste von Dr. Karl-Ender hervor.
Ein vom Vorstand lang gehegter Wunsch, den überdachten Freisitz des Vereinsheims zu umbauen, wird in die Tat umgesetzt. Unter der Leitung des 2. Vorsitzenden Michael Königstein wurden die Arbeiten im Herbst 1999 in Angriff genommen und nach wenigen Monaten abgeschlossen.
In der Jahreshauptversammlung am 13. März 2000 verkündete der 1. Vorsitzende Manfred Tecl, dass er stolz darauf sei, im Jubiläumsjahr zum ersten Mal in der Geschichte des PSV Grün-Weiß eine Mitgliederversammlung im eigenen Heim durchführen zu können. Er schloss mit der Feststellung, dass mit dem Vereinsheim die Entfaltungsmöglichkeiten des PSV gestiegen sind. Darüber hinaus sei der Verein auch den Bedürfnissen der Mitglieder gerecht geworden.
In diesem Sinne feiert der Polizei-Sport-Verein Grün-Weiß Wiesbaden e.V. am Samstag, dem 20. Mai 2000 im Christian-Bücher-Saal der ESWE in der Weidenbornstraße sein 75jähriges Bestehen.
Und die Entwicklung des Vereins geht weiter, so wie sich auch die Gesellschaft weiterentwickelt. Im November 2001 heißt es „PSV goes internet“ Hier können sich Mitglieder und Interessierte „online“ über die aktuellen Informationen und Entwicklungen unterrichten.